demnächst:

15 Nov 2018

Bad Blumau - Zukunft Landmedizin

7 Feb 2019

Study-Visits der Zukunftsorte Österreich im Landkreis Miesbach, Bayern

Waidhofen an der Ybbs, 24.-25. November 2016

ZURÜCK IN DIE STADT AM LAND

Die Stadtgemeinde Waidhofen an der Ybbs geht bei einer da&dort-Konferenz auf die Bedürfnisse von weggezogenen und zurückgekehrten BürgerInnen ein.

Wie hält man Kontakt zu weggezogenen Bürgern? Wie holt man sie in den Ort zurück? Mit Dieser Frage beschäftigte sich der Zukunftsort Waidhofen an der Ybbs in Kooperation mit der Gemeinde Munderfing bei einer da&dort-Konferenz. Während Munderfing neuangekommene BürgerInnen in den Mittelpunkt rückte, fokussierte sich die Folgeveranstaltung der Stadtgemeinde auf Rückkehrer und sogenannte „Ausheimische“. Ausheimische sind jene Menschen, die nicht mehr in der Gemeinde leben, aber dennoch mit ihr Verbindungen pflegen und so ihr Wissen, Können und ihre Kontakte einbringen.

Die Hintergründe für das Bleiben, Weggehen und Zurückkommen von Bürgerinnen und Bürgern sind vielfältig. Die Vortragende Tatjana Fischer von der Universität für Bodenkultur fand in ihrer Studie zur Region Kalkalpen eine starke emotionale Bindung zu ihren Gemeinden bei BewohnerInnen, RückkehrerInnen und ZuzüglerInnen. Gleichzeitig gibt es rationale Motive zur Abwanderung. Die Berufsmöglichkeiten stehen bei den 20- bis 29-Jährigen mit dem Wunsch nach Ruhe, Geborgenheit und Natur im Wettstreit.

Leben statt Leerstand

Waidhofen an der Ybbs nimmt durch seine Positionierung zwischen Kleinstadt und Land eine besondere Stellung ein. Am Wochenendmarkt kaufen BürgerInnen Produkte aus dem landwirtschaftlich geprägtem Umland, umgeben vom urbanen Flair der Altstadt. Das ist kein Zufall: Bei einem Spaziergang durch die Stadtgemeinde erzählen Bürgermeister Werner Krammer, Kurt Hraby und Hans Stixenberger wie Waidhofen an der Ybbs den Stadtkern aufwertet und leerstehenden Flächen den Kampf ansagt. Der Innenstadtkoordinator führt seit 2005 potentielle Vermieter und Mieter zusammen und bündelt Ideen aus Politik und Tourismus zu neuen Projekten. So entsteht attraktiver, lebenswerter Raum für die WaidhofnerInnen.

Nicht überall gibt es solche erfolgreichen Initiativen. In manchen Orten ist die Abwärtsspirale von Abwanderung, Leerstand und immer weniger Infrastruktur unaufhaltsam. Muss es für solche Orte eine Art geregelte Sterbehilfe geben? Muss man bestimmte Ortsteile aufgeben? Dieses emotional geladene Thema beschäftigte die TeilnehmerInnen der da&dort Konferenz bei Gesprächen bis in die Abendstunden. Trendforscher Andreas Reiter ermutigte hingegen dazu, das Dorf neu zu denken. Die digitale Verbundenheit und zunehmende Ortsunabhängigkeit von Arbeit etwa machen neue Wege denkbar.

Selbst gestalten

Wie Beruf und Berufung am Land ihren Platz finden, darüber sprachen Ali Mahlodji und Martin Hollinetz. Bei ihnen zeigte sich: Selbst ist der Dorfbewohner, selbst ist die Dorfbewohnerin. Mit dem Offenen Technologie Labor (OTELO) schafft Martin Hollinetz einen Experimentierraum für Menschen am Land, die einer Leidenschaft nachgehen wollen. So entstehen angefangen vom Repaircafe bis hin zum Drachenmalkurs einer 8-Jährigen Initiativen zum Wissensaustausch in den frei nutzbaren Räumen.

Mahlodji zeichnete anhand von seiner online-Berufsseite „watchado“ nach, wie er als iranischer Flüchtling ein erfolgreiches Medienunternehmen auf die Beine stellte. In seiner Keynote hielt er ein leidenschaftliches und emotionales Plädoyer auf Eigenverantwortung, mutiges Handeln und lebenslanges Lernen. Ein Attribut, das auch die zentrale Motivation des Vereins Zukunfsorte Österreich darstellt.

Aber auch die Gemeinde kann Arbeitssuchenden zur Seite stehen: Lehrlingscastings und Karriere-Clubbing bringen Betriebe und junge BürgerInnen zusammen. Auch Menschen mit einem, wie Projektleiter Stephan Schimanowa sagt, „nicht-stromlinienförmigen“ Lebenslauf verdienen eine Chance. Mit Garbarage Upcycling Design finden ehemals Suchtkranke den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt durch die Gestaltung und den Verkauf von Design-Produkten.

Bände knüpfen und pflegen

Arbeitsplätze, ein lebendiger Stadtkern und Platz und Mut um Ideen zu verwirklichen – diese Faktoren unterstützen RückkehrerInnen und solche, die es werden wollen. Waidhofen an der Ybbs möchte das Band zu seinen auswärts lebenden Bürgerinnen und Bürgern unterdessen weiter stärken. In dem Leitprojekt youngCitizen Relationship Management der Leader Region Eisenstraße findet das da&dort-Thema der Ausheimischen eine Erweiterung und Fortsetzung.