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7 Feb 2019

Study-Visits der Zukunftsorte Österreich im Landkreis Miesbach, Bayern

Munderfing, 15.-16. September 2016

VOM STANDORT ZUM HEIMATORT

Da&dort in Munderfing eröffnet den Dialog mit Ausheimischen, Rückkehrern und zugezogenen Betrieben.

Wo fühle ich mich zuhause? Nicht für jeden deckt sich die Antwort auf diese Frage mit der Wohnadresse. Solche sogenannten „Ausheimischen“ haben oft in einer Gemeinde gewohnt und sind dann aufgrund von Liebe, Beruf oder Neugier in die Ferne gezogen. Wie man die Verbindung zu den Töchtern und Söhnen der Gemeinde aufrecht erhält und Verbindungen zu Betrieben im Ort pflegt, thematisierte die Veranstaltung „Munderfinger Verbindungen - wie Ausheimische, Wirtschaft und lebenslanges Lernen zusammengehören.“

Ein Kommen und Gehen

Was Menschen in Gemeinden hält und was sie wegzieht, zeichnete Martin Heintel von der Universität Wien in seinem Vortrag zu Bindungsfaktoren nach. Vom Vierkanter bis zum Walserkäse verbinden ländliche Symbole, Räume und Produkte Menschen mit ihrer Herkunftsgemeinde, schaffen Identifikation und Stolz, auch wenn sie fernab leben. Heintel zeigt auf, dass Bildung als Faktor zweierlei sein kann: Ein Grund zu gehen oder ein Angebot, das Gemeinden für ihre Bürgerinnen und Bürger gezielt schaffen können. Auch Ursula Rami von der Johannes Kepler Universität befasste sich mit der Frage, was junge Menschen in Gemeinden das Dableiben oder Zurückziehen erleichtert. Barrieren und Chancen sieht die Vortragende in ihrer Studie zu „Ausheimischen“ in Waidhofen an der Ybbs und Munderfing vor allem in der Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen. 

Aber auch viele kleine Schritte wie eine Aufwertung des Ortskerns, Angebote für Jugendliche, Dialog zwischen den Generationen und Eigeninitiative der BewohnerInnen führen zum Ziel. Das zeigten Bürgermeister Georg Moosbrugger am konkreten Beispiel seiner Gemeinde Langenegg und Bürgermeister Christian Kolarik anhand des „Kronstorfer Zukunftsweges“.

Windpark und Wirtschaft

Wo andernorts vielleicht ein Skaterpark stehen würde, befindet sich in Munderfing eine Teststrecke für Freeride Elektrobikes. Und zwischen den Bäumen des Kobernaußerwaldes drehen sich die Rotorblätter der ersten Windparkanlage, die sich mehrheitlich im Besitz einer österreichischen Gemeinde befindet. Wie das so kam, erzählen Erwin Moser bei einem Lokalaugenschein der wichtigsten Munderfinger Projekte.

Hinter dem Windpark stand eine fraktionsübergreifende Zukunftsvision, für die über Jahre hinweg gemeinsam gekämpft wurde. Dass Munderfing Standort eines global agierenden Betriebs wie KTM ist, liegt ebenso an guter Gesprächs- und Kooperationskultur. Die Gemeinde geht aktiv auf Betriebe zu und bietet so „weiche“ Standortfaktoren wie direkte Ansprechpartner und ein offenes Gesprächsklima. So ging man bei der Umwandlung des „Bräu“, eines leerstehenden Gasthauses, aktiv auf Betriebe zu und erhob so zum Beispiel ihr Bedürfnis nach Gästewohnungen für internationale Praktikanten.

Gekommen um zu bleiben

Ein internationaler Betrieb bringt auch internationalen Zuzug. Zugewanderte Arbeitskräfte entscheiden sich im Durchschnitt in den ersten drei Jahren, ob sie bleiben oder nicht – deshalb ist schnelles Handeln gefragt, sagt Jennifer Daferner vom Regionalmanagement Innviertel-Hausruck. Mehrsprachige Informationen, sichtbare Ansprechpersonen, spezielle Kultur-, Freizeit-, und Wohnangebote können dazu beitragen, Menschen rasch in das Ortsleben einzubinden und so zum Bleiben zu bewegen.

Um Zu- und Abwanderung besser zu verstehen, kamen schließlich die Betroffenen selbst zu Wort. Zu- und weggezogenen MunderfingerInnen teilten ihre Erfahrungen mit den TeilnehmerInnen und skizzierten in moderierten Gruppen erste Lösungsansätze. Damit pflegte Munderfing seine altbewährte Lösungsstrategie: Den offenen Dialog.