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15 Nov 2018

Bad Blumau - Zukunft Landmedizin

7 Feb 2019

Study-Visits der Zukunftsorte Österreich im Landkreis Miesbach, Bayern

Nachlese:

Starke Mitte – über die Rückeroberung des Zentrums


Die da&dort-Veranstaltung ‚Zukunft Ortskern’ zeigte Wege und Maßnahmen für ein Zentrum voller Leben.

 
Es sind Landschaftsbilder, wie sie jeder kennt: „Man fährt in den Ort hinein, der Straße entlang zuerst an der Jet-Tankstelle vorbei, anschließend am Lagerhaus, dem Spar und Hofer, Dm und Kik. Dann fährt man durch das leere Ortszentrum und beim Rausfahren kommt man wieder an der Tankstelle vorbei. Das ist leider oft Standard heute.“ Daniel Fellner, Landesrat für Raumordnung und Gemeindeplanung, skizziert in der Eröffnung der Veranstaltung da&dort ‚Zukunft Ortskern’ eine Entwicklung, die in vielen Gemeinden Österreichs und darüber hinaus Realität geworden ist. „Wenn wir uns Leben in den Ortskernen wünschen, dann müssen wir Menschen dort hin bringen.“  Aber wie haucht man entleerten Ortszentren neues Leben ein? Diese Frage diskutierten die EntscheidungsträgerInnen der Zukunftsorte gemeinsam mit VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und interessierten BürgerInnen am 13. und 14. September in Moosburg.  
 
Erfahrung von innen und außen
„Kennen Sie ihre Bildungsflüchtlinge?“ fragt Elisabeth Leitner von der FH Kärnten in Richtung der BürgermeisterInnen. Auch wenn es paradox klingt, Gemeinden können von der Abwanderung ihrer jungen Menschen stark profitieren. Davon konnten sich die TeilnehmerInnen der Veranstaltung selbst überzeugen. Architekturstudentinnen der FH Kärnten präsentierten ihre im ländlichen Raum realisierten Arbeiten. Darin entwickelten sie Vorschläge für alternative Leerstandsnutzungen, bauten Kommunikationszentren oder erarbeiten ein örtliches Entwicklungskonzept für die Heimatgemeinde.  Studierende nehmen die Herausforderung an, Zukunft in Szenarien zu denken und helfen dabei der Bevölkerung Potenziale zu reflektieren, erzählt Annalisa Mauri von der TU Wien. Den Grundstein für die Arbeit der Studierenden legt niemand geringerer als Humboldt: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ Für ihre Projekte heißt das vor allem eines: viel mit Menschen vor Ort reden, die die Entwicklung einer Gemeinde kennen.  
 
Am Weg der Revitalisierung
Wer gestaltet die Belebung der Ortskerne? Neben AkteurInnen aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bürgerschaft, sind das in junger Vergangenheit vor allem auch sie: die Zentrumskümmerer - eine neue kommunale Institution, die beobachtet, ob die einzelnen Interventionen und Maßnahmen in das übergeordnete Ortsentwicklungskonzept passen. „Die Ortskernkümmerer-Institution bietet auch eine Plattform für Menschen der Gemeinde, die Projekte realisieren wollen“, schlussfolgert der Absolvent der Universität Weimar Korbinian Kroiß aus seiner Forschung. Hat die Gemeinde einen Etappensieg für den Ort erreicht, darf sie sich nicht mit dem Status Quo zufrieden geben, warnt er, denn vorschnelle Zufriedenheit führt bald zur nächsten Krise. Die Zukunftsgestaltung eines Ortes muss einen kontinuierlichen Prozess darstellen. Das Beharren am Weg zur Innenstadtbelebung lohnt sich aber – das zeigten die innovativen Gemeinden, in denen belebte Begegnungszonen sowie neue Nutzungen im Ortskern ein pulsierendes Zentrum geschaffen haben.  
 
Neues Arbeiten, neues Wohnen
Galt die Idee des bunt gemischten, gemeinschaftlichen Arbeitens vor wenigen Jahren noch als ein unkonventionelles Konzept, so sind Co-Working Spaces auf der Veranstaltung kein Fremdwort mehr. Stattdessen lässt das vorgestellte Konzept der „Co-Workation“ so manchen aufhorchen. Dieser Ansatz verbindet das gemeinsame Arbeiten mit „Vacation“, also Urlaub. Alexander Schmid der SMG Miesbach erkennt in diesem neuen Trend großes Potential für den Alpenraum: „Wir haben hier Natur und Freizeitangebote, umfassend Beherbergungsangebote und eine gute Infrastruktur. Und die Menschen aus den riesigen Co-Working Spaces in den Großstädten wollen mal rauskommen.“  
 
Wohnen im ländlichen Raum erfährt ebenfalls einen Wandel – davon konnten sich die TeilnehmerInnen bei mehreren Vorträgen überzeugen. „Für eine Belebung des Ortskernes muss auch Wohnen für Alt und Jung ins Zentrum“, weiß Helmut Wallner. Als Bürgermeister von Hinterstoder wird er heuer den Europäischen Dorferneuerungspreis entgegen nehmen.   

Abschließend diskutierten die TeilnehmerInnen ihre Erfahrungen und gesammelten Eindrücke in Speed-Workshops: Welche Maßnahmen braucht es, damit die Ortsmitte wieder Treffpunkt für Menschen wird? Welche neuen Marketingmöglichkeiten hat das digitale Zeitalter für ein pulsierendes Ortsleben mit sich gebracht?  Inspiriert von diesen und anderen Fragestellungen, fuhren die BesucherInnen der da&dortVeranstaltung zur Zukunft der Ortskerne in ihre Heimatgemeinden zurück.
 
 
Der Verein Zukunftsorte ist die Plattform der innovativen Gemeinden Österreichs. Zukunftsorte sind Gemeinden mit Weitblick, die ihre Entwicklung selbst in die Hand nehmen, auf Innovation und mutige Projekte setzen. Aktuell sind zwölf österreichische Gemeinden Mitglied bei den Zukunftsorten. Die österreichischen Zukunftsorte teilen im Rahmen des transnationalen LEADER- Projekts „Da und Dort – Lernen im überregionalen/internationalen Netzwerk“ ihre Expertise in Zukunftsfragen wie Bildung, Raumplanung, Architektur oder Energie über die Gemeinde- und Landesgrenzen hinaus.
 
Bei Rückfragen wenden Sie sich an:

Die Stimmen:

Daniel Fellner

Begrüßung durch den Landesrats für Raumordnung & Gemeindeplanung

Maria Knauder, Robert Astner

„St. Andrä im Lavanttal – mit mutiger Stadtkernentwicklung zum Vizeeuropameister beim Europäischen Dorfeneuerungspreis 2018“

Annalisa Mauri

„Wie junge Menschen das Zentrum eines Ortes beleben und entwickeln – Berichte aus der Lehre in Österreich und Italien“

Erich Biberich

„Vom Leerstand zum belebten Zentrum ist ein Weg mit Ausdauer und Rückgrat – Bericht zur aktuellen Ortszentrumsentwicklung Trofaiach“

Elisabeth Leitner

„Warum Bildungsflucht für Ortskerne gut sein kann“

Helmut Wallner

„Mit welchen Strategien & Projekten die Gemeinde Hinterstoder den Europäischen Dorferneuerungspreis 2018 gewann und was die Ortskernentwicklung dazu beigetragen hat“

Martin Gruber

Begrüßung durch den Landesrat für Regionalentwicklung und Ländlicher Raum

Herbert Gaggl

„Wie sich die Ortskernstrategie und Gemeindeentwicklung sinnvoll ergänzen“

Thomas Semmler

„Weltstars zu Gast im Moosburger Ortskern“
www.semtainment.at

Marita Schnepper

„Powergemeinde – Innenentwicklung & demographischer Wandel in Gemeinden“

Korbinian Kroiß

„Das Potential einer professionellen Ortskernkümmerer-Institution“

Alexander Schmid

„Warum also nicht dort arbeiten, wo andere Urlaub machen? Ist der neueste Trend „Co-Workation“ etwas für unsere Orte und Ortsmitten?

Helmut Strutzmann

„Regionale & lokale Wertschöpfung & neue Perspektiven“ vertreten durch Norbert Pichler
www.multiart.at

Sylvana Wobak, Norbert Pichler, Bernhard Winkler

„Wie kommuniziert man bestmöglich mit den Bürgern im digitalen Raum – die neuen Kommunalwebsites der Gemeinden Munderfing & Moosburg“
www.pixelpoint.at