Ein Tischlerehepaar erklärt den Begriff „FabLab“

Was ist das – ein FabLab? Oft schmückt das Team der Offenen Netzwerkstatt ihr neues Konzept in reiche Worte. Um Lernen soll es gehen, um Experimentierräume, es fallen Worte wie 3D-Drucker und Innovation. Nach ausgiebigen Präsentationen ernten sie oft verständnislose Blicke.

So ging es Oliver Wollboldt zuerst auch mit Manfred Maiburger. Maiburger betrieb über Jahre eine Tischlerei in Munderfing. In der aufgelassenen Werkstatt mit ihren Gewölben und Säulen erkannten Wollboldt und seine Teamkollegen den idealen Ort für die Netzwerkstatt. Am schönsten wäre es, das Ehepaar Maiburger, die aktuellen Besitzer als Partner zu gewinnen.

Neue Ideen wie die des FabLab sind oft nicht leicht zu erklären und wirken vielleicht sogar  praxisfern. Daher wiegen Erfahrungen schwerer als Erklärungen. Und vor Ort zu lernen und Neues zu erfahren ist eine Kernkompetenz der Zukunftsorte.

Um dem Ehepaar Maiburger die Idee des „FabLab“ näher zu bringen, lud der Offene Netzwerkstatt-Initiator Wollboldt die beiden zur Zukunftsorte-Veranstaltung Kommunalkonsulat on Tour nach Wattens. Hier braucht der Begriff „FabLab“ keine Erklärung – es ist ein lebendiger Ort des Probierens und Lernens.

Wollboldt erhoffte sich, dass sich durch die Führung der Nebel um das Konzept FabLab lichtet.

Im Anschluss sprachen wir mit Manfred und Renate Maiburger, um zu überprüfen, ob sich diese Hoffnung erfüllte. Sie erklärten uns in eigenen Worten, was ein FabLab denn sei und was es bringe.

Also, von Beginn an: Ein FabLab – was ist das?

Bevor Manfred und Renate Maiburger nach Wattens kamen, war auch ihnen das Konzept unklar.

Manfred Maiburger: „Wir führten in Munderfing langjährig eine Tischlerei, die modernst eingerichtet war. Wir hatten aber immer wieder Probleme damit, wie wir den Mitarbeitern neue Technologien vermitteln sollen. Das wurde sehr unterschiedlich angenommen, klarerweise. Heuer sind wir in Pension gegangen. Da ist die Gemeinde an uns herangetreten und hat ihr Interesse bekundet, etwas Neues mit dem Raum zu machen – ein „FabLab“.

Renate Maiburger: „Ich habe mir sofort im Internet angesehen, was so ein „FabLab“ ist. Recht schlau wurden wir daraus nicht. Aber der Eindruck hier vor Ort ist ganz anders als das, was online präsentiert wird.“

Durch den Besuch in Wattens erfuhren sie, was ein FabLab ausmacht:

Punkt 1: Ein FabLab lebt von der Vielfältigkeit seiner Ausstattung und seiner Gemeinschaft.

Manfred Maiburger: Ein FabLab besteht aus vielen einzelnen Schwerpunkten. Da gibt es nicht nur die Werkstätte. Die Mischung ist wahnsinnig interessant, um neue Technologien kennenzulernen, Zugang zu Unterstützung zu haben, nicht alleine gelassen zu werden.

Technologie ist gerade für meine Generation ein eher heikles Thema. Der eine tut sich etwas leichter, der andere hat seine Schwierigkeiten. Aber wenn man Unterstützung hat, weil auch andere da sind, hat man Vorteile –  und das habe ich hier in Wattens sehr wohl gesehen. Und du findest in der Werkstätte durch die Arbeit der Anderen auch immer wieder etwas Neues, das dich interessieren könnte.

Punkt 2: Ein FabLab braucht einen einladenden Ort, um Menschen mit dem richtigen Flair anzuziehen.

Renate Maiburger: „Am meisten hat mich das Gebäude der ehemaligen Swarovski-Werke beeindruckt, in dem das FabLab in Wattens ist. So etwas hat man nicht überall. Unser Gebäude hat aber auch innen Gewölbe und Säulen – es war einmal ein alter Pferdestall. Und ich glaube, dass man das Flair auch da in etwa hinbringt. Wenn man so etwas schafft, dann geht das Hand in Hand, dann fühlt man sich drinnen wohl.“

Punkt 3: In einem FabLab kann man eigenes Wissen weitergeben.

Manfred Maiburger: Für mich ist es sicher vorstellbar, dass ich auch etwas Hilfestellung gebe – warum nicht? Wenn man Erfahrung gesammelt hat, kann man sicher Leute unterstützen, die überhaupt keine Ahnung haben. Jeder Beruf hat viel an Erfahrung aufgebaut, die man weitergeben sollte. Ich habe das immer schon gerne gemacht.

Punkt 4: Ein FabLab schafft einen Ort für eine kreative Szene

Manfred Maibruger:  Nicht jeder sucht so einen Raum wie das FabLab. Das hat einen Reiz für gewisse Leute und die haben auch wieder eigene Anschauungen. Man merkt schon, dass hier ein eigenes Publikum ist. Aber so kann ein FabLab auch funktionieren – Gleichgesinnte zusammenbringen, die andere mitbegeistern. Eine offene Atmosphäre und offene Geister! Das hilft, eine andere Sichtweise auf Dinge zu finden.

Punkt 5: Von einem Experimentierort kann die Ortsgemeinschaft in Munderfing profitieren.

Manfred Maiburger:  Darum geht es ja eigentlich. Offen sein für andere Dinge. Nicht zu sagen “Weil wir das jetzt 200 Jahre so gemacht haben, machen wir es immer noch so.” Das heißt nicht, dass das Alte schlecht ist, aber ich kann immer alles verbessern und verändern und vermischen.

Heute ist das Ehepaar Maiburger ein wichtiger Partner des Vereins Offene Netzwerkstatt Innviertel. Nach dem Ausflug nach Wattens einigen sich der Verein, die Gemeinde und das Paar darauf, die Räumlichkeiten für die Netzwerkstatt zu nutzen. Die Gemeinde kauft das Areal und stellt es der Netzwerkstatt für fünf Jahre zur Verfügung.

In Renate und Manfred Maiburger hat Oliver Wollboldt aber auch wichtige Mitstreiter gefunden. So erzählt Wollboldt gerne davon, wie er einige Wochen nach der Veranstaltung in Wattens wieder vor der Herausforderung stand, den Begriff „FabLab“ zu erklären. „Manfred stand dabei und hat das Gespräch an sich gerissen. Dann hat er begeistert von den Möglichkeiten erzählt. Das war ein Aha-Moment.“